Start-Home Franz Bardon Bardon - Studienkreis
Magie Inkarnationen  von Franz Bardon Spende für das Bardon-Werk
    Adresse: www.magie-info.de

Brief von Otti Votavova in Prag an den Verleger Hermann Bauer in Freiburg
Abschrift v. D. Rüggeberg

 
P., 2.2.59

Lieber Herr Bauer!

Es gelang mir, auf Umwegen zu einem Exemplar des Romans FRAB. zu kommen. Und da ich unmittelbar vor der bereits angesagten Verhandlung stehe, griff ich natürlich sofort nach dieser Lektüre, in der Annahme, mir durch das Lesen entsprechend Mut zu holen und meine Energie zu bekräftigen. - Wie habe ich mich aber darin gründlich getäuscht - .

Ich bin geradezu entrüstet und dies mit Recht, denn Sie haben vom ersten Wort angefangen alles total über den Haufen geschmissen. Kein einziges Kapitel entspricht dem Originalmanuskript. Zahlreiche wichtige Erlebnisse haben Sie einfach weggelassen und an deren Stelle eigenmächtig abgefaßten Schmus eingeflickt, der erstens gar nicht der Tatsache entspricht und zweitens einen Stil aufweist, wie er zu Dutzenden in jedem gewöhnlichen Roman vorkommt, wo Autoren mit geschwollenen Ausdrücken alles beschönigen wollen, was ihrer bloßen Phantasie entspringt. So z.B. fand ich erst nach ungefähr vierzig Seiten gekünstelten Redens eine einzige Seite, deren Wortlaut sich mit dem Original deckt, dafür aber gar nicht an jene Stelle gehört.

H. B. war ein Freund des einfachen Stils, den alle seine Werke aufweisen und in dem auch sein viertes Buch abgefaßt war. Seine einfache Wiedergabe begrüßten auch alle Leser, was sie ausserdem mit zahlreichen besonderen Dankesbezeugungen bestätigten. Dies ist Ihnen ja gut bekannt. Wenn Ihnen also - ganz unerwartet - die äußerst angenehme Redeweise des H.B. im Roman nicht imponierte, so stand Ihnen ja nichts im Wege, von einem Druck abzusehen. Mir und allen, die H.B. persönlich kannten, wäre - ehrlich gesprochen - dies viel lieber gewesen, als daß Sie seinen Lebens-Roman derart verstümmelt herausbrachten. An vielen Stellen kommen sogar Zitate seiner drei Lehrwerke vor, die ebenfalls das Original nicht aufweist. H. B. hatte es als der genialste Mensch durchaus nicht notwendig, im Roman auf seine Lehrmethoden, die er in maßgebenden Büchern veröffentlichte, hinzuweisen. Er hätte hundert Bücher in einem Zuge vom Stegreif eindiktieren können, ohne sich dabei zu wiederholen. Ausserdem glaubte zweifellos jener Stümper, der auf Grund Ihrer Einwilligung den Lebensroman des H. B. so verunstaltete, daß es wahrscheinlich ohne gewisse Eifersuchtsszenen, wie sie die materielle Welt liebt, nicht geht und hat sich daher weitere banale Eigenmächtigkeiten zuschulden kommen lassen / siehe Schilderung Cornelia-Hermes-Frabato /.

Ganze Seiten Papier müßte ich beschreiben, um auf alle ersonnenen und direkt an den Haaren herbeigezogenen Stellen hinzuweisen. Auch das von mir verfaßte Vorwort haben Sie unter den Tisch fallen lassen. Freilich mußten Sie das, weil es sich ja mit dem Inhalt -so wie er jetzt gedruckt wurde- nicht gedeckt hätte. Jetzt verstehe ich auch, warum Sie mein In memoriam im Roman der Öffentlichkeit nicht zugänglich machten, obwohl Sie dies ursprünglich vorhatten.

Im Originalmanus war H.B.'s viertes Buch tatsächlich ein Lebensroman, frei von allem überflüssigen Ballast, der den Leser nur langweilt. Wahrscheinlich haben Sie oder der betreffende Umarbeiter diesen Ballast vermißt, und ihn daher in so ausgiebigem Maße hineingetan.

Seit Rückkehr meines ungewollten Aufenthaltes versicherten Sie mich wiederholt, daß Sie im Roman nur kleine Stilverbesserungen vornehmen, wobei der eigentliche Sinn, die Kapitel usw. nicht angetastet werden. Wie haben Sie aber in Wirklichkeit gehandelt. Übrigens wären nicht einmal die kleinen Verbesserungen notwendig gewesen, wenn Sie selbst um die Mitte 1957 nicht so sehr gedrängt und auf das Romanmanus geeilt hätten; unter Begründung, den Roman noch vor Weihnachten 1957 herauszubringen. Und so blieb auf Ihr wiederholtes Drängen H. B. nichts anderes übrig, als den Roman in einer Rekordzeit einzudiktieren -

Seite 2 (Otti V. an H. Bauer v. 2.2.59)

wozu er nebenbei bemerkt infolge seines Zeitmangels nur nachts kam -, und auch ich mußte ihn so überstürzend rasch zu Papier bringen. Tatsächlich stand Ihnen im Herbst - Sept.- 1957 das betreffende Manus zur Verfügung. Daß Sie sich dann eines anderen besonnen haben und den Roman zurückstellten, war schon Ihre Sache.

Sie werden sich sicherlich daran zu erinnern wissen, daß ich Sie nach Erscheinen von Werk I. dazu beglückwünschte, jener auserkorene Verlag zu sein, dem es vergönnt war, sich der kolossalen Werke des H.B. annehmen zu dürfen. Heute muß ich leider sagen, daß Sie diese Auszeichnung der Vorsehung wirklich nicht verdienten, wenn Sie es fertig brachten, jene Arbeit des H.B., die für Sie vorläufig die letzte ist, so zu verhunzen.

Vor Eintreffen des Buches war ich gerade im Begriff, Ihr Schreiben vom 16.1. zu beantworten - jenes vom 8.1. mit Katalog habe ich gleichfalls erhalten -, beschloß aber, dies erst nach dem Durchlesen des erhaltenen Romans zu tun und unter einem auch gleich mein Dafürhalten kund zu tun. Wie innerlich betrübt und ehrlich entrüstet ich über den jetzigen Inhalt des Romans bin, kann ich Ihnen gar nicht sagen. Leider muß ich zugeben, daß alle diejenigen, die H.B. und mich auf so manche Überraschung seitens Ihres Verlages aufmerksam machten, Recht hatten, obwohl wir beide immer für Sie eine Entschuldigung hatten.

Sie können nicht in Abrede stellen, daß es H.B.'s Werke waren, die Ihren Verlag in allen Weltteilen bekannt machten. Umsomehr ist es mir unverständlich, daß Sie nach seinem physischen Abgang so wenig Achtung seinem Lebensroman entgegenbrachten, wo gar kein Grund dafür bestand. Wie verhält sich dies mit Ihrer Behauptung im Briefe vom 16.1.59, wo Sie ausdrücklich anführen: „....H. B. steht in meiner Hochachtung so erhaben, daß ich nie etwas Unrechtes oder etwas seinem Wirken abträgliches tun werde. ...."

Leider bleibt mir jetzt nichts anderes übrig, als alle Bekannten hinter der Grenze unseres, als auch Ihres Landes darauf aufmerksam zu machen, was sich mit den von den Lesern so sehnlichst erwarteten Roman des H.B. von seitens des Verlages aus zugetragen hatte. Es ist für mich eine Mehrarbeit, mit der ich entschieden nicht rechnete. Doch dem Andenken eines so großen Meisters, wie H.B. es war und jederzeit bleibt, bin ich es schon schuldig.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich nur noch bemerken, daß Sie in Frau P. eine Bevollmächtigte des H.B. bei Ihnen drüben wohl wissen, aber wo es nur irgend geht, Genannte immer erst vor die fertige Tatsache stellen -- siehe Absatz von Reproduktionen des Magierbildes --. Warum dies? Vielleicht nur deshalb, weil Frau P. vor ihrem Zunamen keine 2 - 4 Buchstaben zu stehen hat -- etwa Prof.Dr.Ing. --? Oder würden Sie vielleicht anders handeln, wenn die betreffende bevollmächtigte Person ein Mann wäre? Herr B. hat sich auf seine besondere Art Frau P. verschiedentlich ausgeprobt, ohne daß sie davon eine Ahnung gehabt hätte. Alle gestellten Fallen und Proben bestand Frau P. ehrlich, so daß ihr durchaus die Auszeichnung gebührte, H.B.`s Vertrauen durch eine ausgestellte Vollmacht bestätigt zu erhalten.

Ich ersuche Sie daher, Frau P. und somit auch mir in Zukunft keinerlei Schwierigkeiten und unnötige Korrespondenz zu bereiten und in Frau P. nicht etwa nur ein Wesen mit einfachem Beruf zu sehen, sondern vor allem einen durchaus ehrlichen und strebsamen Menschen, mit dem man in jeder Hinsicht wie mit Seinesgleichen handeln kann.

Vielleicht geben Sie mir bekannt, was Sie zu so einer überstürzenden Abänderung des Romaninhalts veranlaßte. Ihr entsprechendes Schreiben werde ich jedenfalls erst nach der Verhandlung erhalten. In einigen wenigen Stunden geht mein Zug und ich nehme daher dieses Schreiben mit, um es unterwegs aufzugeben.

Es grüßt Sie


November 2002
Die im obigen Brief genannte Frau P. war Frau Maria Pravica in Graz/Österreich.
Ich hoffe, daß durch die Veröffentlichung dieses Briefes die Diskussionen um das sogenannte Original des "Frabato" ein Ende haben. Die vom Bauer-Verlag verfälschte Ausgabe ist nur in einer Auflage erschienen. Allen weiteren Auflagen des "Frabato" liegt das Originalmanuskript zugrunde.
Dieter Rüggeberg